Mit dem Fahrrad auf gefährlichen Straßen

In La Paz hieß es das erste Mal nach fast sechs Monaten wieder Mountainbiken. Allerdings ging es dabei vorwiegend bergab… Der erste Eindruck von La Paz war irgendwie „indisch“. Auf dem Weg zu unserem Hostel mussten wir uns vorbei an Menschenmassen und mit Ständen vollgestellten Bürgersteigen und Straßen drängeln, die uns doch sehr an Indien erinnerten. Es war schnell klar, dass uns Bolivien und besonders La Paz ziemlich gut gefallen würden. 🙂

Den ersten Tag haben wir dann auch hauptsächlich damit zugebracht, durch La Paz zu schlendern und die Atmosphäre der Stadt zu genießen. Und es gab viel zu sehen: wild hupende, bis zum Anschlag vollgestopfte Taxis, Busse und Minibusse, die ein gigantisches Verkehrschaos verursachten; bolivianische Frauen mit traditionellen Bowler Hüten; Shoeshine Boys, bei denen man sich seine Schuhe aufpolieren lassen kann und jegliche Art von Straßenständen, an denen man alles von gefälschten DVDs über kitschige Plüschtiere und die gesamte Nivea Produktpalette bis zu glückbringenden getrockneten Lamaföten kaufen kann.

Besonders beeindruckend ist auch die Lage von La Paz. Die Stadt liegt inmitten eines Canyons auf über 3600 Meter Höhe und ist umgeben von einer Reihe über 5000 Meter hoher Berge, wobei der mit 6400 Metern höchste Berg Illimani immer im Hintergrund über der Stadt thront. Der Blick auf La Paz vom Grat des Canyons ist daher einfach sensationell.

Fast schon ein Muss für uns als Mountainbiker war der Downhill entlang der World’s Most Dangerous Road (aka Death-Road), die von La Paz in den bolivianischen Dschungel führt. Auf der Straße zwischen La Cumbre und Coroico stürzten in der Vergangenheit jährlich durchschnittlich 26 Fahrzeuge in den Abgrund, was die Strasse offiziell zur gefährlichsten der Welt macht. Heute ist die Death-Road fest in Biker Hand, da die meisten Autos die neugebaute Asphaltstraße benutzen. Ausgerüstet mit Integralhelm und einem Downhill-Fully, das in Sachen Federweg, Bremsscheiben und Gewicht einem Cross-Motorrad in nichts nachstand, ging es auf den 65 Kilometer langen Downhill. An unserem Startpunkt La Cumbre auf 4600 Metern Höhe herrschten eisige Temperaturen mit Schneefall. Wir machten uns daher relativ zügig auf den Weg hinunter in wärmere Gefilde. Die ersten 1000 Höhenmeter wurden dabei auf Asphalt zurückgelegt, bevor wir die Abzweigung auf die Death-Road nahmen. Es folgte eine Schotterabfahrt durch Serpentinen und Wasserfälle, bei der man es mit dem Downhill-Fully gut laufen lassen konnte (für einige australische Gruppenmitglieder war Ronalds Fahrstil allerdings ein wenig zu flott…Anfänger! 🙂 ). Nach 3600 Höhenmetern und diversen Vegetationszonen erreichten wir schließlich unser Ziel Coroico bei 30 Grad und Sonnenschein (und grade hatte es noch geschneit…). Zurück nach La Paz ging es mit dem Bus ebenfalls auf der Death-Road, wobei wir auch prompt einem Death-Road Opfer begegneten: an einer schmalen Stelle musste ein Jeep einem LKW ausweichen, ist dabei in die Regenrinne am inneren Rand der Straße gerutscht und steckte somit so richtig fest. Nach ausgiebiger Inspektion der Lage der umstehenden 50 Personen, einigte man sich darauf, das Auto an einem Seil mit Manneskraft aus dem Graben zu ziehen. So komisch die Idee zuerst auch klingt, es hat tatsächlich funktioniert. Allerdings zogen an dem Seil ungefähr 15 Personen und weitere fünf schoben den Jeep auf der anderen Seite. 🙂

An unserem letzten Tag in La Paz wollten wir eigentlich einen Ausflug zu den Pre-Inka Ruinen von Tiwanaku unternehmen. Allerdings versperrte ein Streik den Weg zum Highway (was hier in Bolivien schon mal vorkommen kann), so dass wir kurzerhand umdisponierten und beschlossen, den 5395 Meter hohen Chacaltaya zu besteigen. Ausgerüstet mit einem Pulli und einem halben Liter Wasser nahmen wir also unseren ersten 5000er in Angriff. 🙂 Glücklicherweise ist der „Aufstieg“ nicht sonderlich schwer, da man bis auf 5300 Meter bequem im Auto fahren kann. Durch steile Serpentinen und sensationelle Landschaft ging es also bis kurz unterhalb des Gipfels. Nach einem heißen Coca-Tee, um den Symptomen der Höhenkrankheit entgegenzuwirken, sind wir dann die letzten Meter bis zum Gipfel aufgestiegen. Obwohl dies nur einige Hundert Meter zu laufen waren, kamen wir aufgrund der dünnen Luft nur im Schneckentempo voran und waren auf dem Gipfel ganz schön außer Atem. Die Aussicht auf die umliegenden Berge, El Alto und den Canyon von La Paz war jedoch gigantisch und entlohnte für die Strapazen. Trotz Coca-Tee war die Höhe unangenehm zu spüren, so dass wir nach einer kurzen Pause mit Rundrumblick wieder zu unserem Auto abgestiegen und zurück nach La Paz gefahren sind.

Dort hieß es Rucksäcke packen und ab in den Nachtbus zu unserer nächsten Station: Uyuni.

— La Paz (12.03.2009 – 16.03.2009)

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